Gedanken zum Pfingstfest

geschrieben von Generaloberin Schwester M. Michaela Bertsch

Den österlichen Festkreis erleben wir in diesem Jahr 2020 in der Corona-Krise. Wir haben in Erfahrung gebracht, dass es eine heilige Corona, eine frühchristliche Märtyrerin, als Patronin für Seuchen gibt. Ihr Name heißt übersetzt: „Krone“. Der Heilige, mit dem sie gemeinsam verehrt wird, heißt Viktor. Sein Name bedeutet „Sieger“. Die Namensbedeutung der beiden: „Krone“ und „Sieger“, kann als „Siegeskrone“ zusammengefasst werden. Ein bewegendes Sinnbild zur Überwindung der Krise.

Papst Franziskus hat sich allein zu Fuß im nächtlichen Rom auf den Weg gemacht zu einer Kirche, die der heiligen Corona geweiht ist, um zu beten, dass das Virus eingedämmt wird. Eine Wallfahrt zur heiligen Corona können wir nicht machen, aber wir beten immer wieder eine Novene und andere vorgegebene Gebete zur heiligen Corona. Beim täglichen Läuten der Glocken in Gengenbach sind wir im Gebet mit der Ortskirche verbunden. So sind wir untereinander als Mitschwestern und mit den Menschen in Nah und Fern verbunden. Wir bitten, dass wir vor dem Virus verschont bleiben und dass Möglichkeiten der medizinischen Hilfe gefunden werden.

Unser Mutterhaus ist für uns zu einem stillen Ort des Betens geworden. Wir leben in einer „Zeit heiliger Quarantäne“. Diese Zeit tut uns einerseits sehr gut. In Ruhe hinhören, was Gott uns sagen will. Wohin will er uns führen? Die Corona-Krise lässt uns sensibler werden im Hinhören und Hinspüren auf die Wegführung Gottes. In dieser Ruhe dürfen wir eine geisterfüllte Energie in unserem Planen und Tun merklich spüren.

Der reguläre Arbeitsalltag, gerade in der Ordensleitung, ist auf einmal nicht mehr so möglich, wie am Anfang des Jahres geplant. Termine fallen aus, werden verschoben, andere werden unter großen Sicherheitsvorkehrungen wahrgenommen. Es verlangt ein hohes Maß an Disziplin und Geduld. Doch wir sind dankbar, dass viele Planungen laufen können, wenn auch langsamer und vor allem manchmal anders als ursprünglich gedacht. In allem erleben wir, dass Gott den Weg mit uns geht. Wir sagen oft: „Das war wieder ein vom Geist Gottes geführtes Gespräch.“

Immer wieder richten wir den Blick in die Zukunft, persönlich und gemeinschaftlich. Wir fragen: Was erwartet Gott heute von uns gerade jetzt auch in der Corona-Krise? Wie wird die Zeit danach aussehen? Wird die Corona-Krise überhaupt einmal abgeschlossen sein? Auch in dieser Krise haben wir als Gemeinschaft der Franziskanerinnen vom Göttlichen Herzen Jesu einen Auftrag. Beispielhaft ist unser Lebensstil. Wir leben in Gemeinschaft. Wir pflegen Haus -, Gebets- und Tischgemeinschaft. Wir stützen und sorgen füreinander. Es tut uns allen gut, wenn wir uns gegenseitig Trost zusprechen, Freude, Zuversicht und Hoffnung in unserem Miteinander verbreiten. Diese positive Ausstrahlung ist besonders wichtig für die Menschen, denen wir begegnen. Im Mutterhaus und im Haus Bethanien, im Kindergarten, im Haus La Verna, in den Schulen etc. sind dies vorwiegend unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie stehen die Corona-Krise und die Zeiten des Umbruchs in unserer Gemeinschaft mit uns durch. Wir tun gut daran, unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern immer wieder ein Dankeschön und ein Gebetsgedenken zu schenken. Ob wir jünger oder älter oder schon hochbetagt sind, es muss uns immer wieder bewusst sein und mit Freude erfüllen, dass wir, vom Geist Gottes bewegt, in die Nachfolge unseres Herrn Jesus Christus berufen sind und auf ein erfülltes Leben in unserer Gemeinschaft schauen dürfen.

Zum Pfingstfest 2020 wünsche ich Ihnen und uns allen ein offenes Herz, damit der Heilige Geist unsere Herzen erfassen und öffnen kann. Beten wir mit Papst Franziskus: „Herr, öffne mir das Herz, damit der Geist Gottes bei mir eintrete und mich verstehen lässt, dass Jesus Christus der Herr ist.“

Dieses kurze Gebet beten wir tagtäglich, denn es braucht ein offenes Herz, damit der Geist Gottes unsere Herzen verwandeln und uns seinen Weg in eine neue Zukunft zeigen kann. Dann können wir entsprechend unserer Möglichkeiten aus einem Minus ein Plus machen für Verbesserungen im Miteinander in unserer Gemeinschaft, in Kirche und Welt.

Wir wünschen allen Menschen ein gesegnetes Pfingstfest. Bleiben Sie gesund. Gottes guter Segen sei mit Ihnen.

Herzliche Grüße aus dem Mutterhaus Gengenbach!

Ihre
Schwester M. Michaela Bertsch
Generaloberin



Der ganze Mensch erschauere,
die ganze Welt erbebe,
und der Himmel juble,
wenn auf dem Altar
in der Hand des Priesters
Christus, der Sohn des lebendigen Gottes ist.
O erhabene Demut!
O demütige Erhabenheit, dass der Herr des Alls,
Gott und Gottes Sohn,
sich so erniedrigt, dass er sich zu unserem Heil
unter der anspruchslosen Gestalt des Brotes verbirgt.

(Aus den eucharistischen Gedanken des Heiligen Franziskus: Brief an den gesamten Orden der Minderbrüder)

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